Ihr gutes Recht: Selbstauskunft des Mieters

Gerade in deutschen Ballungszentren ist die Wohnungsnachfrage hoch und entsprechend lang kann daher die Menschenkette sein, die sich bei einem Besichtigungstermin im Treppenhaus bildet. Ähnlich wie bei einem beruflichen Vorstellungsgespräch müssen die Wohnungsinteressenten auch den Vermieter und seine Hausverwaltung von sich überzeugen. Ein gepflegtes Aussehen allein reicht meist nicht mehr aus. Mittlerweile ist es in vielen Städten zur Gewohnheit geworden, eine Art Bewerbungsmappe mit allen wichtigen Informationen rund um den Wohnungsanwärter zu überreichen. Die Selbstauskunft ist inzwischen ein Muss, jedoch ist es nicht nötig dem Vermieter jedes kleinste Detail über sich preiszugeben.

Der Deutsche Mieterbund rät, sich bereits im Vorfeld auf mögliche Fragen vorzubereiten und gewisse Dokumente zum Besichtigungstermin mitzunehmen. Darin sollte ein Interessent Angaben zu seiner Identität machen und Name, Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse sowie Alter auflisten. Zudem muss er seine Einkommensverhältnisse und seinen Beruf nennen. Verschweigt er diese Informationen, verspielt er seine Chance, den gewünschten Mietvertrag angeboten zu bekommen. Doch besonders die Frage nach der Gehaltshöhe ist für viele immer wieder ein sensibles Thema. Für den Vermieter oder Hausverwalter gibt es jedoch sonst keine andere Möglichkeit, um die Zahlungsfähigkeit des Mietbewerbers einschätzen und bewerten zu können, versucht der Verband Haus & Grund zu erklären. Man müsse schließlich das Risiko eines Mietausfalls einschätzen und kalkulieren können. Deswegen muss ein Mietinteressent den potenziellen Vermieter auch in Kenntnis setzen, wenn er Sozialleistungen bezieht. Wer auf die Fragen nach Beruf und Einkommen nicht wahrheitsgemäß antwortet, riskiert eine Kündigung – selbst wenn die Miete immer pünktlich bezahlt wurde.

Da es sich um sein Eigentum handelt, ist der Vermieter auch berechtigt, sich nach der Anzahl der Personen zu erkundigen, die in der Wohnung leben sollen – Haustiere inbegriffen. Wer hier schummelt, muss im schlimmsten Fall mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Die Frage, ob das Objekt zumindest teilweise für eine selbstständige berufliche Tätigkeit mit gegebenenfalls Publikumsverkehr in Anspruch genommen wird, ist ebenfalls legitim – hierunter fallen beispielsweise Musikunterricht oder Schülernachhilfestunden.

Anders sieht es aber bei Fragen aus, die mit einem möglichen Mietverhältnis nicht unmittelbar in Zusammenhang stehen. Der Interessent muss dann keine oder keine wahrheitsgemäßen Antworten geben. Unzulässig sind etwa Fragen zum Gesundheitszustand, zur Familienplanung, zur sexuellen Orientierung, zur ethnischen Zugehörigkeit oder zur Religion. Auch Informationen bezüglich Vorstrafen darf der Wohnungseigentümer nicht verlangen. So kann der potenzielle Mieter gegen sich laufende Ermittlungsverfahren für sich behalten. Gleiches gilt für Fragen zur idealen Wohnungseinrichtung oder ob man ein Parteibuch – und wenn ja, welches – besitzt.

Angaben zu Mietschulden sind hingegen erforderlich. In vielen Regionen ist es üblich, dass der Vermieter eine sogenannte Mietschuldenfreiheitsbescheinigung verlangt. Es gibt jedoch kein Recht, dass den Vorvermieter zu einem solchen Beleg verpflichtet. Kann der Bewerber keine Bescheinigung vorweisen, muss er auf andere Möglichkeiten zurückgreifen, um seine Mietschuldenfreiheit nachzuweisen. Mit Kontoauszügen kann zum Beispiel bewiesen werden, dass die Miete immer pünktlich bezahlt wurde.

Von | 2018-06-15T16:33:00+00:00 Juni 15th, 2018|Allgemein|0 Kommentare

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